Mehrkilometer im Leasing — warum die Rechnung am Ende überrascht
Am Vertragsende kommt die Abrechnung, und sie fällt höher aus als gedacht. Wie Mehr- und Minderkilometer verrechnet werden, warum die Differenz selten ausgleicht — und ab wann Gegensteuern noch etwas bringt.
Ein Leasingvertrag wird auf eine Laufleistung geschlossen — etwa 25.000 Kilometer im Jahr. Diese Zahl entsteht meist zu Vertragsbeginn aus einer Schätzung, oft der des Vorgängerfahrzeugs. Danach schaut lange niemand mehr hin. Erst bei der Rückgabe wird gezählt.
Das ist der Punkt, an dem aus einer Kleinigkeit ein vierstelliger Betrag wird — nicht weil der Satz je Kilometer hoch wäre, sondern weil sich die Abweichung über drei Jahre still aufaddiert.
Wie abgerechnet wird
Im Vertrag stehen zwei Sätze: einer für Mehrkilometer, einer für Minderkilometer. Sie sind fast nie gleich hoch.
- Mehrkilometer liegen bei gängigen Fahrzeugen meist zwischen 5 und 15 Cent netto je Kilometer, bei größeren Transportern und Oberklasse auch darüber.
- Minderkilometer werden häufig mit der Hälfte des Mehrkilometersatzes vergütet — teils noch weniger.
- Viele Verträge enthalten eine Freigrenze, oft 2.500 Kilometer nach oben wie nach unten. Innerhalb dieser Spanne passiert nichts.
- Die Erstattung für Minderkilometer ist oft gedeckelt, die Nachzahlung für Mehrkilometer in aller Regel nicht.
Daraus folgt eine Asymmetrie, die im Fuhrpark gern übersehen wird: Ein Fahrzeug, das 20.000 Kilometer zu viel gelaufen ist, und ein zweites, das 20.000 zu wenig gelaufen ist, gleichen sich nicht aus. Bei 10 Cent Mehrkilometern und 5 Cent Minderkilometern stehen 2.000 € Nachzahlung gegen 1.000 € Gutschrift — und die Gutschrift greift nur, wenn sie überhaupt vorgesehen ist.
Rechnen Sie in der Mitte, nicht am Ende
Der einzige Zeitpunkt, an dem sich noch etwas ändern lässt, liegt ungefähr in der Mitte der Laufzeit. Die Rechnung dazu ist simpel:
- Aktuellen Kilometerstand minus Stand bei Übernahme = tatsächlich gefahrene Kilometer.
- Geteilt durch die bisher verstrichenen Monate, mal die Gesamtlaufzeit in Monaten = Hochrechnung auf das Vertragsende.
- Differenz zur vereinbarten Gesamtlaufleistung, mal den Satz aus dem Vertrag = der Betrag, um den es geht.
Wer das einmal je Quartal für die gesamte Flotte macht, sieht Ausreißer, solange sie noch klein sind. Wer es gar nicht macht, erfährt es bei der Rückgabe.
Was Sie tun können, wenn es aus dem Ruder läuft
In dieser Reihenfolge, weil die Maßnahmen unterschiedlich viel kosten:
- Fahrzeuge innerhalb der Flotte tauschen. Der Vielfahrer bekommt das Fahrzeug mit der hohen vereinbarten Laufleistung, der Wenigfahrer das andere. Das kostet nichts außer Abstimmung.
- Vertragsanpassung beim Leasinggeber anfragen. Eine höhere Laufleistung erhöht die Rate, ist aber meist günstiger als die Nachzahlung — vor allem, wenn noch mehr als ein Jahr Laufzeit übrig ist.
- Laufzeitverlängerung prüfen. Die zusätzlichen Monate bringen zusätzliche Freikilometer, und die Rate ist im Verlängerungszeitraum oft niedriger.
- Nichts tun und zurücklegen. Auch das ist eine Entscheidung — aber eine bewusste, mit einer Zahl dahinter.
Was der Rückgabetermin sonst noch kostet
Neben den Kilometern wird der Zustand bewertet. Üblich ist ein Gutachten nach dem Maßstab „normale Gebrauchsspuren“. Was darüber hinausgeht, wird berechnet: Dellen ab einer bestimmten Größe, Kratzer, die durch den Lack gehen, fehlende Ausstattung, Reifen unter der Mindestprofiltiefe.
Wer den Rückgabetermin sechs Wochen vorher kennt, kann Smart-Repair beauftragen und Reifen tauschen — beides ist in freier Werkstatt regelmäßig günstiger als der Ansatz im Gutachten. Wer davon zwei Tage vorher erfährt, kann nichts mehr machen.
Wozu Sie die Zahlen ohnehin brauchen
Die Kilometerstände, die für diese Rechnung nötig sind, werden im Fuhrpark ohnehin erfasst — bei der Tankung, bei der Wartung, bei der Hauptuntersuchung. Der Unterschied liegt nicht in der Erfassung, sondern darin, ob jemand sie in Beziehung zum Vertrag setzt.
In DeltaFleet stehen Leasingbeginn, Laufzeit, vereinbarte Jahreskilometer und der Satz für Mehrkilometer am Fahrzeug, und die Kilometerhistorie liegt daneben. Die Hochrechnung ist damit eine Auswertung und kein Projekt.